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Beitrag von Dr. Marlis Bach
aus Zeitschrift Pulsar Nr. 3 vom 04/2000


ZurückMedizinmänner und ihre Heilmittel aus dem Amazonas

"Mamaquilla ampucuy
mamay, maytan rinqui huahuay quicunata dejarispayqui?" Zu Deutsch: "Mutter Mond, wohin gehst du, verlässt du deine Kinder?" Mit diesen Worten rufen Indianer aus dem Amazonasgebiet den Mond an, wenn er sich während einer Mondfinsternis versteckt. Es drückt die Angst aus, die Helligkeit der Welt nicht mehr zu erblicken. Die Indianer frönen einer Art Lichtmythos, der sowohl für die Sonne als auch für den Mond gültig ist. Bei den Quechuas ist es der Sonnenkult und bei den Campas im Amazonasgebiet der Mond. Für die Eingeborenen stellt die Finsternis eine Gefahr dar, denn sie wissen, dass das Himmelslicht nichts anderes darstellt als das Heil des Menschen. So bedeutet der Lichtaufgang den Sieg über den Drachen, die Schlange, das Monstrum und den Tod.

Einer weiteren meteorologischen Erscheinung, dem Regenbogen, genannt "chipara", wird eine unheilvolle Bedeutung beigemessen. Wenn dieser am Horizont sichtbar wird, soll er schwere Krankheiten bis hin zu Umweltkatastrophen mit sich bringen. Die Eingeborenen berichten von einem bunten und einem weißen Regenbogen, letzterer ist zwar viel seltener, aber ihm werden die allergefährlichsten Kräfte zugeschrieben. Solange der Regenbogen am Himmel zu erkennen sei, ist größte Vorsicht geboten. Währenddessen darf kein Wasser aus dem Brunnen geschöpft werden, denn dieses Naturschauspiel könnte es vergiftet haben. Selbstverständlich deutet man nicht mit dem Finger auf den Regenbogen oder bestaunt ihn mit offenem Mund. Im Amazonas ist man wahrhaftig vielerlei Gefahren ausgesetzt.

Die Mythen tragen dazu bei, deren stete Anwesenheit ins Gedächtnis zu rufen. Windmythos Es ist von tödlichen Windstößen die Rede, welche den Betroffenen sofort lähmen. Hierbei bedienen sich Geister des Elementes Luft, um Krankheiten zu übertragen. Hierzulande würde man von einer Tröpfcheninfektion sprechen. Bei den Indianern sind allmächtige Kräfte im Spiel, die den Krankheitsursachen einen geheimnisvollen Touch verleihen. Dem von Geistern hervorgerufenen Wind kommt eine zentrale Rolle zu. Man schütze sich davor hinter dem "Bruder Baum" oder in einer Höhle, dessen Boden die heilige "Mutter Erde" auskleidet. Die Heiler Die ursprünglichen Amazonasbewohner haben eine primitive Auffassung von Krankheiten. Sie werden dem Menschen aufgrund unerklärlicher Ursachen geschickt und werden als eine Person betrachtet. Es gilt, dieses personifizierte Wesen möglichst rasch wieder los zu werden. Dafür benötigt man die weisen Worte eines Medizinmannes. Ein solcher stellt die Krankheit fest und heilt die davon befallenen Menschen. Welche Medizin bei welcher Krankheit wirkt, ist ein streng geheimes Wissen, das in speziellen Riten vom Medizinmann an dessen auserwählten Schüler weitergegeben wird.

Oftmals erfährt ein junger Mann eine göttliche Eingebung und ist somit befähigt, als Medizinmann den Stammesmitgliedern zu dienen. Bei uns diagnostiziert der ausgebildete Arzt, und über die vermeintliche Wirkung des Heilmittels gibt der Verpackungstext Auskunft. Drachenblut Sangre de grado ist ein sehr beliebtes Heilmittel, dem wundersame Kräfte zugeschrieben werden. Bruder Baum schenkt den Eingeborenen einige Tropfen Blut, um eine starke Blutung zu stillen. Selbst Stoßblutungen bei der Geburt können damit zur Ruhe gebracht werden. Das Wissen um die Naturheilmittel aus dem Amazonas dringt langsam in unsere Breiten. Pharmazeuten bezeichnen den Regenwald als die allergrößte Naturapotheke, von dessen unerschöpflichem Reichtum wir bislang nur einzelne Ausschnitte erkannt haben. Die Pharmaindustrie forscht intensiv an verschiedenen Heilpflanzen, die eingesammelt, analysiert und daraufhin katalogisiert werden. So versucht man, diesem immensen Naturreichtum Struktur zu verleihen, damit er auch für die westliche Welt zugänglich gemacht wird.

Das gründlich erforschte originale Drachenblut stammt von den Baumarten Croton lecheri, C. salutari und C. planostigma, aus der Pflanzenfamilie der Euphobiaceae, die eine Höhe von 20 m erlangen können. Man erntet das rote Harz und die Rinde des Baumes. Das Hauptimportland für Drachenblut ist nach wie vor Bolivien, wo man den Drachenblut-Baum auch "tipa" nennt. Ureinwohner Das Drachenblut wird direkt auf die offene Wunde getropft, unabhängig davon, wie stark sie blutet. Das Heilmittel wirkt sofort und stoppt einerseits den Blutfluss, andererseits wird dadurch der Heilungsprozess in Gang gesetzt und schützt die Verletzung vor Infektionen. Das rote Harz verschließt wie eine Art Naturkleber die Wunde und bildet dadurch die Barriere für Krankheitskeime. Dieses Heilmittel wird nicht nur in Akutsituationen äußerlich angewandt, sondern es entfaltet auch innerlich seine Heilwirkung. Diverse Indikationen sind Knochenbrüche (für außen und innen), Magen- und Darmgeschwüre und Fieber. Besonders bei Frauen ist es beliebt, um Hautstörungen verschiedenster Art, angefangen von geringfügigen Ausschlägen, zum Verschwinden zu bringen.

Inhaltsstoffe

Unter den wirksamen Alkaloiden identifizierten die Pharmazeuten die Taspine als die Hauptwirkstoffe. Weitere Wirkstoffe sind: Methylthymol, Myrcene, Proanthocyanidine, Terpinen-4-ol, Camphene, Cupraphenol, Borneol, Vanillin und Dimethylcedrusine. Im Labor verhalten sich diese Stoffe antibakteriell, antiviral und antiseptisch. Obendrein bezeugen wissenschaftliche Studien eine krebsheilende Wirkung und eine potente Heilkraft bei Herpes.

Anwendung

Hierzulande ist das Drachenblut besonders erprobt bei Hauterkrankungen (z. B. Akne, Fieberblasen - eine Herpesinfektion), sogar bei Sonnenbrand. Weiters wird es bei Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, Entzündungen, besonders der Atemwege, und nicht zuletzt bei Krebs empfohlen. Das Drachenblut entfaltet seine Heilkraft bei innerer Anwendung, wenn man einige Tropfen in ein Glas Wasser gibt und dieses trinkt. Äußerlich träufelt man es unverdünnt auf die Problemstelle. Um gesund zu bleiben, beten die Indianer zu ihren Naturgottheiten. Die Gebete schließen meist mit "han ahayo apakana mathaqui" - "damit meine Seele nicht entführt werde"...

Literaturhinweis: Sabine Hargous; Beschwörer der Seelen; Sphinx Verlag

Zur Autorin: Dr. Marlis Bach ist Lebensmittelchemikerin und als freie Journalistin tätig.

Erhältlich ist das Drachenblut in einer Pipettenflasche zu 30 ml im VioSol-Violett-Glas.

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