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Verliebt oder verrückt
Verliebte weisen wie psychisch Kranke Serotoninmangel auf

Pisa - Frisch Verliebte haben nämlich ähnliche Probleme mit ihren Botenstoffen im Gehirn wie Menschen mit einer psychischen Störung. Zu dieser Erkenntnis gelangt die Psychiaterin Donatelle Marazziti von der Universität Pisa. Aber mit der Zeit kommt das von selbst wieder in Ordnung. Und dann stellt sich heraus, ob es wirklich der Partner für's Leben oder doch nur ein biochemisches Intermezzo gewesen ist.

Donatelle Marazziti wollte sich mit den üblichen unbewiesenen Allgemeinplätzen nicht begnügen und verglich frisch verliebte Studierende mit Menschen, die an einer Zwangsstörung leiden. Letztgenannte quälen ständig zermürbende Angstgefühle, die sie veranlassen, immer wieder ritualisierte Handlungen zu wiederholen. Dabei kann der Zwang, sich zum Beispiel andauernd die Hände zu waschen oder alles exakt rechtwinklig anzuordnen, zum zentralen Punkt im Leben des Patienten werden. 1990 hatte Marazziti entdeckt, daß im Gehirn dieser Menschen der Neurotransmitter Serotonin vermindert war. Serotonin spielt jedoch eine wichtige Rolle als Übermittler von Nervensignalen, besonders wenn es um die Stimmung und emotionale Verfassung geht.

Zusammen mit ihren Teamkollegen untersuchte Marazziti die Serotoninspiegel bei zwanzig frisch verliebten Studierenden sowie zwanzig Personen mit Zwangsstörungen. Zum Erstaunen der Wissenschaftler wiesen beide Gruppen den gleichen Neurotransmittermangel auf

"Es wird ja oft gesagt, daß man ein bißchen verrückt sei, wenn man verliebt ist", sagt Marazziti. "Anscheinend ist da was wahres dran." Für die meisten Verliebten geht das emotionale Abenteuer aber glimpflich aus. Ein Jahr nach dem ersten Test hatten sich die Serotonin-Werte der Studierenden wieder erholt. Doch wie so viele Drogen, die sich auf Botenstoffe im Gehirn auswirken, kann auch Verliebtheit süchtig machen.

 

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