BEITRÄGE
Das versprechen uns zumindest die Hersteller von "Functional Food", dem neuen Steckenpferd der Nahrungsmittelindustrie. Lebensmittel, die auch medizinische Nebeneffekte haben sollen, sind bereits zahlreich auf dem Markt. Mit Kalzium angereicherter Orangensaft, zum Beispiel, soll den Knochen mehr Festigkeit geben und damit die Entwicklung von Knochenschwund verhindern helfen.Die USA sind das Eldorado dieser neuen, extrem schnellwachsenden Branche. Bis zum Jahr 2010 sollen die Umsätze mit Functional Food dort rund 50 Milliarden Dollar ausmachen. Doch jetzt regen sich erstmals Gegenstimmen. Functional Food bringt im besten Fall keinen Vorteil gegenüber herkömmlicher, ausgewogener Ernährung, sagen Konsumentenschützer. Und im schlechtesten Fall können die Konsumenten sogar Substanzen ausgesetzt werden, deren Wirkung noch nicht vollständig geklärt ist. Michael Jacobson, Direktor des Center for Science in the Public Interest findet für diese Vorgehensweise harte Worte: "Wir haben es hier einfach mit einem neuen Beispiel verantwortungsloser Industrie-Gier zu tun." Besonders heikel wird die Diskussion um Functional Food, wenn es um Zusätze von Kräutern und Gewürzen geht. Denn hier betritt die Industrie eine Grauzone zwischen kulinarischer Tradition und Medizin, in der sich die zahllosen Küchen der Welt bis jetzt einfach dank jahrtausendelanger Erfahrung zurechtfanden. Niemand weiß, was passiert, wenn die Inhaltsstoffe aus dem traditionellen Zusammenhang gerissen und in unüblicher Dosierung konsumiert werden. In den USA soll jetzt die fast allmächtige Gesundheitsbehörde FDA ein Auge auf das Functional Food werfen. Insbesondere soll geklärt werden, für welche Zusätze die Hersteller welche gesundheitlichen Wirkungen versprechen dürfen. Vitamine wie zum Beispiel Folsäure dürften da gut wegkommen. Studien haben nämlich gezeigt, dass besonders schwangere Frauen in den Industriestaaten häufig unter Folsäure-Mangel leiden. Gegen einen entsprechenden Hinweis auf der Verpackung folsäureangereicherter Lebensmittel dürften die Behörden daher nichts einzuwenden haben. Dass sich der Folsäurebedarf auch mit reichlich Blattgemüse decken ließe, wird vermutlich nicht auf diesen Packungen stehen. Schwieriger wird die Situation bei jenen Nahrungsmitteln, die eine direkte Wirkung auf die Psyche versprechen. Die hier eingesetzten Kräuter, etwa das nachweislich antidepressiv wirkende Johanniskraut, sind zwar hochwirksam, haben aber wie alle wirksamen Medikamente auch ihre Risiken und Nebenwirkungen. Sie mit der Nahrung zu verabreichen ist daher problematisch, weil bei allen Lebensmitteln die täglich konsumierten Mengen ganz nach Appetit schwanken. Dazu Varro E. Tyler, Parmakologe aus Indiana: "Wir tun ja auch nicht Viagra in die Suppe." Auf Europa hat die Functional Food Welle noch lange nicht im amerikanischen Stil übergegriffen. Es wäre sinnvoll Diskussionen zum Thema Sicherheit und Kennzeichnung zu führen, bevor das passiert, raten Experten. Dr. Nexus Newsletter
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