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Dieser Pilz erlangte in diesem Jahrzehnt zweifelhafte Berühmtheit. Laut Schätzungen stammen 90% der Hefepilzerkrankungen in Europa vom Sprosshefepilz Candida albicans. Nach einer deutschen Studie aus dem Jahre 1994 leidet jede zweite schwangere Frau an Pilzinfektionen im Unterleib leidet. 9.000 Todesfälle pro Jahr werden in Deutschland den Pilzinfektionen zugeschrieben. Das ist Grund genug, den Pilz Candida albicans ernst zu nehmen. Die menschliche Darmflora (normale Besiedelung des Darmes mit Mikroorganismen) setzt sich aus verschiedenen Bakterienkulturen zusammen. Im Magen leben normalerweise keine Bakterien, eventuell Lactobazillen, deren Anzahl, verglichen mit der übrigen Darmflora, gering ist. Der Zwölffingerdarm weist die verschiedenen Bakterienarten Streptococcus, Lactobacillus und Enterococcus auf. Im Dünndarm wird die Besiedelung noch bunter, hier herrschen nämlich Bacteroides, Eubacterium, Peptostreptococcus, Enterococcus und Lactobacillus. Danach vereinfacht sich die Zusammensetzung der Darmflora. Im Dickdarm regieren Fusobacterium, Clostridium und Escherichia coli. Laut F. X. Mayr sollten lediglich im Dickdarm Bakterien vorkommen. Die Darmflora dient vor allem dem Schutz der Darmschleimhaut vor anderen Mikroorganismen. Die hier angeführten Bakterien sollen die Platzhirsche im Darm sein. Haben sie nicht die Oberherrschaft inne, können sich andere Mikroorganismen einnisten, z. B. die pathogene (= krankheitserregende) Hefe Candida albicans. Da die Darmflora einen Schutz vor Infektionen bildet, muss man sie korrekterweise dem Immunsystem zurechnen. Besonders deutlich sieht man die Leistung der Darmflora, wenn man steril aufgezogene mit normal aufgewachsenen Tieren vergleicht. Das steril gehaltene Tier ist zwar nicht weniger gesund als das andere, aber Krankheitserreger haben ein viel leichteres Spiel. Sie brauchen nicht erst eine Bakterienkultur verdrängen, um sich z. B. im Darm konkurrenzlos breit zu machen. Die Ursache für eine Pilzinfektion im Darm liegt also in einer gestörten Darmflora. Um sich vor Pilzinfektionen zu schützen, muss man daher auf eine gesunde Darmflora achten. Als die schlimmsten Feinde einer gesunden Darmbakterienkultur kann man die Antibiotika und die Chemotherapeutika bezeichnen. Solche pharmazeutische Keulenschläge belasten die sensible Darmflora schwer. Deren Wiederaufbau gestaltet sich meistens langwieriger als deren Zerstörung. Wenn man sich bereits eine Pilzinfektion im Darm zugezogen hat, genügt es nicht, den Pilz auszurotten, sondern ein langfristiger Erfolg ist nur an eine Gesundung der Darmflora gekoppelt. Die Schulmedizin verordnet bei Pilzerkrankungen Antimykotika, das sind pharmazeutische Produkte, die das Pilzwachstum hemmen. Bei einer derartigen Bombardierung verschwinden die Pilzkulturen im Darm für gewisse Zeit. Die guten Voraussetzungen für neuerliches Pilzwachstum bleiben dabei jedoch erhalten. Denn es brauchen nur einige wenige Hefesprosse überleben und die Überwucherung der Darmflora kann nach Absetzen des Antimykotikums wieder beginnen. Hingegen setzt die Alternativmedizin bei der Behandlung von Pilzerkrankungen auf eine Stärkung der Darmflora. Wenn diese gesund und stark genug ist, verschwindet der Lebensraum für die Pilze nach und nach. Ein Überleben von einigen Hefesprossen stellt bei einer kräftigen gesunden Darmflora kein Problem dar. Zur Gesundung der Darmflora werden von verschiedenen Firmen Präparate angeboten, die die geeigneten Darmbakterien beinhalten, wie z. B. Formula 1134 von der Firma Bluegreen Naturprodukte. Die wichtigste Behandlungsmethode der Alternativmedizin ist jedoch die Anti-Candida-Diät, die von Maßnahmen zur Verbesserung der Darmflora begleitet wird. Denn durch die Diät wird der Pilz quasi ausgehungert. Ihm wird das liebste Nahrungsmittel, die Glucose, ein Einfachzucker, in der täglichen Ernährung weitestgehend vorenthalten. Hierbei gilt es nicht nur auf das Zuckern des Tees oder Kaffees zu verzichten, sondern auch das Essen von sehr zuckerhältigen Lebensmitteln, wie Weintrauben und Äpfeln, einzuschränken. Besonders in Limonaden wie Coca-Cola ist sehr viel Zucker enthalten. Teil der Anti-Candida-Diät ist auch eine Ernährung nach den Regeln der Trennkost. Eiweiße und Kohlenhydrate werden getrennt bei verschiedenen Mahlzeiten konsumiert. Bäckerhefe, eine mit Candida albicans verwandte Hefeart, soll auch gemieden werden. Von der Gesamtmenge her soll der Kohlenhydratkonsum zugunsten der Eiweißaufnahme verringert werden. Eine solche Diät erfordert Disziplin, eine genaue Kenntnis dieser Diätform und auch eine gewisse Ausdauer. Gegenüber einer Antimykotika-Therapie ergibt sich jedoch der Vorteil einer körperschonenden, chemiefreien Behandlung. Wie erkennt man nun eine Candida-albicans-Infektion? Diese Erkrankung äußert sich in Form von verschiedenen unspezifischen Symptomen. Das sind Signale wie Allergien, Migräne, arthritisähnliche Gelenkschmerzen, Depressionen, Schlafstörungen, Darm- und Menstruationsstörungen. Ein deutlicher Hinweis für Candidabefall ist ein starkes Verlangen nach Zucker und/oder Hefe. Der Arzt kann eine Candida-albicans-Infektion diagnostizieren, indem er von Ausscheidungsprodukten (Stuhl-, Vaginalabstrich) eine Kultur anlegt. Je größer die Hefekultur wird, desto stärker ist der Pilzbefall. Nicht alle Ärzte denken bei den genannten unspezifischen Signalen an Candida albicans. Generell sind Alternativmediziner wie auch Ganzheitsmediziner in der Therapie von Krankheiten mit unspezifischen Signalen meistens erfahrener. Der Pilz ernährt sich von den Darmschlacken und den abgestorbenen Zellen des Darmepithels. Den Dickdarm erreicht immer wieder ein Anteil von unverdauter Nahrung, weil auch bei gut gekautem Essen nicht genügend Verdauungssäfte produziert werden. Das Unverdaute macht im Darm einen Gärungs- und Fäulnisprozess durch. Die Gärungsprodukte (z. B. Alkohol, Fuselalkohole und Acetaldehyd) werden kaum resorbiert, sondern verbleiben hauptsächlich im Darm. Der Pilz freut sich, denn er bekommt dadurch Nahrung zugeschoben. Je mehr Nahrung er aufnimmt, desto besser kann er sich vermehren. Eine Candida-albicans-Infektion ist keine harmlose Sache für den Körper. Er fängt an, den Tumornekrosefaktor zu produzieren, den der Körper in erster Linie gegen Krebszellen herstellt. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass der Körper diese Infektion ernst nimmt. Gefährlich an Pilzinfektionen im Darm sind die von Pilzen ausgeschiedenen Enzyme, die die Schleimhautoberfläche angreifen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass der Pilz vom Darm in die Blut- oder Lymphbahnen gelangt und sich somit auf andere innere Organe ausweitet. Pilzinfektionen nehmen in den letzten Jahren rapide zu, ebenso wie Erkrankungen des Immunsystems. Ein schwaches Immunsystem hebt das Risiko für eine Pilzerkrankung. Umgekehrt wirkt sich ein Candida-albicans-Befall negativ auf das Immunsystem aus. Laut Schätzungen kosten Pilzerkrankungen die deutschen Krankenkassen jährlich rund 130 Mrd. Schilling. Candida-albicans-Infektionen werden früher oder später auch zu den Zivilisationskrankheiten zählen. Der übermäßige Zuckergenuss und die geringe Achtsamkeit bei der Ernährung fordern ihren Tribut! Zur Autorin: Dr. Marlis Bach Lebensmittelchemikerin A-8072 Wutschdorf 89 |